Spielberichte



12.05.2018 - 2:0 gegen Genc Osman

Nix mehr anbrennen lassen - Meister der Leistungsklasse


Wenn der Sohn aus der Generation YouTube Freitag abends spontan von der Coach aufsteht, das Handy in die Ecke legt und freiwillig mit den Worten: "Morgen ist wichtig, ich will fit sein" ins Bett stiefelt, dann fällt einem zwar erstmal die Kinnlade runter, man merkt aber auch, dass Kinderfussball langsam vorbei ist. Aus Kindern werden Jugendliche und Jugendliche wollen Titel holen.

Nach dem starken 2:0 bei Union Mülheim wurde uns im Laufe der Woche klar, dass die Pflicht manchmal auch nach der Kür kommt und diese Pflicht alles andere als ein Spaziergang werden würde. Das Hinspiel in Genc war bekanntlich ein - für uns glückliches - 2:2 und zudem hatte sich Genc Osman letzte Woche mit einem Sieg gegen den FSV die Chancen auf den direkten Klassenverbleib erhalten und kam keineswegs nach Buchholz um Gastgeschenke zu verteilen (wobei sie trotzdem welche dabei hatten, dazu später mehr).

Zum Saisonabschluss durften wir sogar auf den heiligen Buchholzer Rasen, was der allgemeinen Spielkultur sichtlich gut tat, aber von uns nicht so konstant wie sonst genutzt wurde. Statt viel Ballbesitz und Spielkontrolle zogen wir uns auch mal zurück oder schlugen lange Bälle zur Entlastung. Der Grund war einfach die Sorge vor den Kontern der Neumühler. Im Hinspiel wurden wir so zweimal auf dem falschen Fuß erwischt. Dieses Mal war die Abwehrleistung und Rückraumabsicherung sehr kontrolliert und routiniert.

 

Unsere Ballbesitzphasen waren zwar seltener, aber dann trotzdem meist von hoher Qualität und Sauberkeit. So auch in der 6.Minute als Hendrik nach ein paar schnellen Pässen freie Schussbahn hatte und aus 15 Meter einfach mal drauf hielt und traf. Dieses Tor beruhigte die Nerven, gerade auch aus dem Grund, weil der Live-Ticker aus Hiesfeld (Danke Jörg!) kurze Zeit später keine guten Nachrichten vermeldete. Der Rest der Halbzeit war dann von den Spielanteilen relativ ausgewogen, wobei die besseren Chancen klar auf unserer Seite lagen. Aber wir spielten die Angriffe meist in Unterzahl und demzufolge in Tornähe mit erhöhtem Risiko, Zeit- und Gegnerdruck, so dass die Präzision vor dem Tor oft litt.

In der Halbzeitpause nahmen wir uns vor, im Ballbesitz auch mal zu verlagern statt die Angriffe immer mit aller Macht über eine Seite (meist rechts) durchzudrücken. Zudem wollten wir weiter gut verteidigen, denn nur ein Gegentor konnte uns den Titelgewinn noch vermiesen. Trotzdem - und so ehrlich muss man sein - verkauften wir uns dann deswegen offensiv unter Wert. Gerade auch weil das mit dem Verlagern in der Angriffsvorbereitung meist ganz gut funktionierte und wir so immer wieder freie Räume vorfanden, war es umso enttäuschender, dass wir daraus in der gegnerischen Hälfte eigentlich viel zu wenig Kapital schlugen. Oft fehlte die Geduld und Übersicht die Angriffe klarer auszuspielen. Immer wieder ging`s die Linie hoch und dann schnell Richtung Tor anstatt nochmal über den Rückraum auf nachrückende (und frei stehende) Mitspieler zu spielen.

 

Aber zum Glück konnten wir in der 36.Minute die Führung durch einen Standard ausbauen. Leander bezwang den Keeper mit einem Freistoß unter die Latte. Bravo! Die Neumühler bemühten sich zwar sichtbar das Spiel noch zu drehen und zeigten dabei durchaus Mut und Initiative, aber in letzter Konsequenz war die zentrale Spielidee, ihren 13-Tore-Mann in Position zu bekommen, zu offensichtlich. Hier waren die Buchholzer Stiere meist sehr aufmerksam, unterstützen sich gegenseitig und ließen bis auf ein paar lose Annäherungen kaum etwas zu. Und somit schloß sich der Kreis zum Freitag Abend. Diese Mannschaft wollte sich den Titel auf keinen Fall mehr nehmen lassen. Sie war defensiv fokussiert und in den entscheidenen Momenten bissig und zupackend. Zudem war sie immer wieder in der Lage Entlastung über eigenen Ballbesitz zu erzeugen.

Diesen Ballbesitz fokussierten wir in der Rückrunde nicht mehr so konstant wie in der Hinrunde. Vor allem in den Spielen nach der Barcelona-Fahrt gaben wir den Ball auch immer mal wieder an die Gegner ab. Das hatte zwei wesentliche Effekte: Wir zwangen die Gegner zur mehr Initiative (was nicht jeder Mannschaft lag) und wir ließen uns nicht mehr auskontern (wie es uns in der Hinrunde mehrfach passierte).

Obwohl einer unserer wohl wertvollsten Spieler, Tim, praktisch die ganze Rückrunde ausfiel, sammelten wir in der Rückrunde drei Punkte mehr als in der Hinrunde (bei zwei Spielen weniger). Zudem blieben wir als einzige Mannschaft ungeschlagen, kassierten nur zwei Tore (ein Freistoß, ein Sololauf) und sind die letzten 442 Minuten sogar komplett ohne Gegentor in der Liga.

 

Nach dem Schlusspfiff warteten dann noch zwei nette Gesten auf uns. Emre von Genc Osman hatte Baklava mitgebracht und Felix (C1) und die zwei Moritze aus der B2 spendierten unseren Jungs Pizza und Kaltgetränke. Herzlichen Dank.

 

Ein Lob möchte ich natürlich auch unserer Mannschaft aussprechen, die uns Trainer nicht nur mit einer netten (Malz-)Bierdusche überraschte, sondern eine tolle Saison gespielt hatte und sich selbst mit dem Titel "Meister der D-Junioren Leistungsklasse 17/18" belohnte. Stark gemacht! Glückwunsch auch an unsere D2 und D3, die in ihren Kreisklassen jeweils Vizemeister wurden.



05.05.2018 - 2:0 gegen Union Mülheim

Ein Tag, an dem vieles funktionierte...


Wenn wir als Tabellenzweiter am vorletzten Spieltag beim Tabellenführer antreten, kann man wohl von einer gelungenden Spielplanansetzung und einem absoluten Spitzenspiel sprechen. Da Union am Spieltag zuvor beim FSV nicht über ein Unentschieden hinaus kam, hatten wir sogar die Chance mit einem Sieg an den Mülheimern vorbeizuziehen.

Die 09er waren vor der Saison noch eine große Unbekannte, sind dies mittlerweile aber nicht mehr. Fünf Spiele konnten wir seitdem von ihnen sehen (zweimal waren wir auch selbst involviert) und wussten so ganz gut, was uns erwartet. Gefährlich sind die Unioner vor allem wegen ihrer individuellen Qualität. Hinten spielt mit Max ein physisch starker Abräumer, im Mittelfeld dirigiert der schwer vom Ball zu trennende und spielgestaltende Berkem und im Sturm sorgt Noah mit ordentlich Geschwindigkeit und Schusskraft für Wirbel.

Und diese Qualität konnten wir nur im Kollektiv stoppen. Deswegen entschieden wir uns das Spiel anders als sonst anzugehen. Hinten nahmen wir uns vor, immer - selbst im eigenen Ballbesitz - kompakt zu bleiben, um keine Räume zum "Tempo aufnehmen" anzubieten. Über die Kompaktheit versprachen wir uns auch schnell ins doppeln zu kommen. Offensiv mussten wir dadurch natürlich Präsenz und Initiative opfern, aber trotzdem waren wir nicht vollkommen ambitionslos. Im Gegenteil wollten wir nach Balleroberungen schnell umschalten und übten im Donnerstags-Training diese Spielsituationen intensiv ein.

Die ersten Minuten verliefen trotzdem nicht sonderlich vielverprechend. Wie das Kaninchen vor der Schlange spielten wir sehr verhalten und ängstlich. Union kontrollierte Ball und Gegner anscheinend nach Belieben. Ein erster gefährlicher Umschaltmoment, der sogar im Tor landete, aber wohl richtigerweise wegen abseits abgepfiffen wurde, gab uns aber langsam mehr Vertrauen in die gewählte Strategie.

Beim 1:0 in der 14. Minute profitierten wir davon, dass sich einige Spieler aus dem Stützpunkttraining kannten. Luca G fing einen Pass von Berkem ab (Zitat nach dem Spiel: "Ich wusste, dass der den dahin spielt.") und schickte Alex dann sofort in die Tiefe. Dieser hatte sich schon im Moment der Balleroberung geschickt ein paar Meter seitlich von Max gelöst, sprintete dann nach dem Pass davon und legte den Ball am Torwart vorbei in Netz. Nur zwei Minuten später gab es eine ähnliche Situation. Wieder wurde der Ball in der Vorwärtsbewegung der Unioner abgefangen, von Luca G durch die Schnittstelle auf den geistesgegenwärtig im Rücken des Abwehrspielers in die Tiefe startenden Pascal gelegt. Dieser brach zur Grundlinie durch, legte dort quer auf Alex, der zum 2:0 vollendete. 

Beides waren sehr schön genutzte Umschaltaktionen, bei denen wir natürlich auch davon profitierten, dass Union sehr weit aufgefächert stand, um einen geordneten Spielaufbau zu betreiben. Diese Situationen gab es diese Saison in anderen Spielen nicht oft, da meist wir dazu gewungen waren das Spiel zu machen (bzw. es machen wollten) oder die Gegner den Ball in der Spieleröffnung schlicht lang und schnell nach vorne schlugen. 

Dieser Doppelschlag hatte natürlich einen enormen Einfluß auf die Moral beider Teams. Während unsere Jungs immer mehr an sich glaubten und jeder Meter Anlaufen und Verschieben leicht von der Hand bzw. dem Fuß ging, wurden die Unioner ungeduldiger und unzufriedener. Sie bekamen ihren Stürmerstar (wird wohl nach Bayer Leverkusen wechseln) nicht ins Tempo und die alternativen Lösungen waren zu fehlerbehaftet bzw. unerprobt. Wir zeigten zeitweise sogar ganz brauchbare eigene Ballbesitzphasen und hatten hinten nur eine brenzlige Situation zu überstehen, in der Tom aber klären konnte.

In Halbzeit 2 zogen wir Hendrik, der seine Hybridrolle als Störenfried und Balleroberer in Halbzeit 1 stark umgesetzt hatte, auf die Sechs, um vor der Abwehr unsere Zugriffchancen weiter zu verbessern. Damit waren wir im Zentrum noch kompakter. Die Jungs schworen sich in der Halbzeitpause ein und wollten das Ergebnis unbedingt halten. Die zweite Halbzeit war dann eine beeindruckende Fleißleistung. Vorne wurde Union im Spielaufbau immer genervt und gestört, im Mittelfeld wurde aufmerksam ver- und zugeschoben und in der Abwehr abgesichert und alles, was sich hoch unserem Tor näherte und doch mal über den Flügel durchkam, geklärt und gestellt. Union kam nur zu zwei, drei Distanzschüssen, die aber sichere Beute von Tom waren.

Zu Gute kam uns mit Sicherheit auch die Linie des Schiedsrichter, der jeden Versuch von Union, mit Härte oder zusätzlichem Armeinsatz die Zweikämpfe zu entscheiden, abpfiff und durch eine klare Ansprache bei den Spielern viel Respekt erntete. Beim Kreispokalaus vor einem halben Jahr an gleicher Stelle war die Spielleitung vom damaligen Schiedsrichter eher großzügiger, was uns damals klar zum Nachteil geriet. Trotzdem wurde uns auch in hiesigem Spiel durch eine Schiedsrichterentscheidung ein klarer Vorteil genommen. Wieder konnte der überragende Alex von Pascal geschickt werden, der frei durchgewesen wäre, aber fälschlicherweise per Abseitspfiff gebremst wurde. Kein Vorwurf an den starken Schiri, aber trotzdem bitter für uns.

Ansonsten gelang uns mit dem Ball nicht mehr sonderlich viel. Wir verweigerten bewusst den flachen Spielaufbau, um uns nicht vor dem eigenen Tor pressen zu lassen und spielten die Abschläge alle lang. Unsere gelegentlichen Balleroberungen im Mittelfeld wurden zu inkonsequent ausgespielt, so dass wir kaum mehr zu Abschlüssen kamen. Aber das war am Ende egal. Das dritte Tor benötigten wir nicht mehr. Union hatte keine Lösungen um unsere Defensive zu knacken und musste deswegen die Tabellenführung an uns abtreten. Die jungen Stiere verdienten sich diesen Sprung an die Spitze durch großen Kampf, hohe taktische Diziplin und zeigten in den entscheidenen Momenten auch die nötige Qualität, um so ein Spitzenspiel zu entscheiden. Abgerundet wurde diese Leistung von einer tollen Unterstützung unseres Auswärtsmobs (aka Eltern und Familie), was diesen (Spiel-)Tag vollkommen und mich rundum stolz machte.



26.-28.03.2018 - 4.Platz trofeo mediterraneo

Spielen am Limit


Eines der Saisonhighlights ist zweifelsohne die Fahrt nach Santa Susanna, in der Nähe von Barcelona, um dort an dem internationalen Turnier Trofeo Mediterraneo teilzunehmen. Die Buchholzer Jugendabteilung organisiert diese Tour seit Jahren und stellt in den Altersklassen D bis A je ein Team, also vier Teams insgesamt. So es der Spielplan zulässt, supporten sich die Mannschaften gegenseitig, was nicht nur den Zusammenhalt und die Vereinsidentität stärkt, sondern auch noch die letzten Prozent Einsatz- und Kampfbereitschaft aus den Jungs kitzelt. Wie schon im letzten Jahr erwischten wir eine schwere Gruppe, wo sich vier von fünf Teams auf Augenhöhe begegneten und für die ersten drei Plätze bewarben, die zum Weiterkommen berechtigten.

Im ersten Spiel ging es gegen den vermeintlich leichtesten Gegner. Die Mannschaft von Essen-Werden-Heidhausen spielt zwar auch in der Leistungklasse, war aber mit vielen Spielern der D2 angereist. Die Essener versuchten auf den engen Platz den flachen Spielaufbau, kamen aber so kaum aus der eigenen Hälfte und wir immer wieder relativ nah vor dem gegnerischen Tor in Ballbesitz. Am Ende stand ein auch spielerisch überzeugender 9:0-Sieg mit vielen schönen Toren von Luca C, Leander, Alex, Timuel und Moritz.

Im nächsten Spiel ging es dann gegen die U13 von Beitar Jerusalem, einem Leistungsverein aus Israel. Deren erste Mannschaft ist immerhin derzeit Tabellenzweiter in der ersten israelischen Liga. Fast zeitgleich zum Anpfiff fegte ein kurzer Regenschauer übers Stadion, in dem auch unsere Jungs baden gingen. Die nickeligen Israelis, die auch zwei ältere Spieler (was laut Reglement erlaubt ist) dabei hatten, drückten uns in die eigene Hälfte und bestraften unsere etwas ängstliche Spielweise mit vier Gegentore. Spielerisch zeigten sich die Israelis überraschend eindimensional, knallten im Zweifel alles nach vorne und pressten dann auf die Abpraller. Dieser Plan ging zweifelsohne auf, aber gerade in Sachen Technik und Kombinationsfussball waren unsere Jungs nicht viel schlechter, was sie vor allem in der zweiten Halbzeit auch zeigten. Die Durchschlagskraft der Israelis erreichten sie aber bei weitem nicht, so dass es beim 0:4 blieb.

Am nächsten Morgen wartete mit dem argentinischen Club Almafuerte eines der Teams, dass sich auch berechtigte Hoffnungen auf einen der vorderen Plätze machen konnte. Entsprechend ausgewogen und umkämpft war das Spiel. Beide Mannschaften knallten sich in jedem Zweikampf und gaben dem Gegner kaum Raum zu spielen. Der enge Platz (zwischen Seitenlinie und Strafraumgrenze lagen nur knapp fünf Meter) ließen ein vernünftiges Rausspielen genauso wenig zu, wie ein Lösen des Gegnerdruck über Seitenverlagerungen. Beide Teams minimierten das Risiko eines Ballverlustes vor dem eigenen Tor, indem sie die Bälle im Zweifel lieber nach vorne schlugen. So ergab sich ein Spiel voller Hektik und Umschaltmomente. Trotzdem hatten wir die dickste Chance in Halbzeit 1, als Moritz eine flache Hereingabe nach Durchbruch über außen nicht richtig kontrollieren konnte und aus kürzester Distanz über das Tor jagte. Entsprechend untröstlich und niedergeschlagen kauerte er zur Halbzeit auf der Bank.

 

In Halbzeit 2 ging das umkämpfte Chaos weiter ohne dass sich beide Teams dabei wesentlich dem gegnerischen Tor nähern konnten. Wie aus heiterem Himmel bekamen wir dann aber doch die Chance das Spiel für uns zu entscheiden. Einem Rückspiel auf den argentinischen Torwart lief Luca C beherzt hinterher und dieser nahm den Ball in der Panik in die Hand - indirekter Freistoß. David zielte dann an der Mauer vorbei ins lange Eck, wo ein Argentinier aber mit einem spektakulären Hechtsprung per Kopf auf der Linie klärte - Wahnsinn. Während Almafuerte diese Riesentat noch feierte, schlugen unsere Jungs die Ecke an den zweiten Pfosten, wo Moritz den Ball relativ freistehend, aber mit dem richtigen Timing, zum 1:0 über die Linie drückte - doppelter Wahnsinn.

Mit diesem Sieg hatten wir den Einzug ins Achtelfinale so gut wie sicher, aber das letzte Quäntchen Gewissheit und den zweiten Platz in der Gruppe würde uns ein Punkt (oder Sieg) gegen die SpVgg. Ingelheim bringen. Deren U13 spielt im Südwesten mit Mainz 05 und dem 1.FC Kaiserlautern in der höchsten regionalen Spielklasse, der Verbandsliga. Das Spiel war ähnlich fahrig und umkämpft wie das gegen Alamafuerte, mit dem Unterschied, dass wir nach vorne so gut wie gar nix auf die Kette bekamen und Ingelheim sich einmal durch unsere Abwehr kombinierte und zum 0:1 traf. Trotzdem kamen wir durch einen verwandelten Freistoß von David zum Ausgleich und mauerten das Dingen danach ziemlich unschön, aber effektiv nach Hause - Achtelfinale.

In diesem wartete noch am gleichen Tage die SG Wattenscheid 09. Der ehemalige Erstligist ist im Jugendbereich in Bochum wohl die zweite Kraft hinter dem VfL und ging demzufolge als klarer Favorit in die Begegnung. Das Achtelfinale wurde im Blanes Stadion gespielt, was sich nicht nur durch hohe Tribünen (wo wir eine sensationelle Unterstützung von den anderen Mannschaften erfuhren), sondern auch durch einen größeren Platz auszeichnete. Dementsprechend war das Spiel nicht so hektisch und umkämpft wie die Vorrundenbegegnungen und es gab mehr zusammenhängende Spielzüge. Die ersten Minuten verschliefen wir aber leider wieder und luden die Bochumer durch Fehler im Aufbauspiel zum Tore schießen ein. Etwas dagegen hatte aber Fredi, der uns mit zwei Riesenparaden in der Partie hielt. Danach kamen wir etwas besser ins Spiel und konnten die Partie bis zur Halbzeit offen gestalten. Der Druck der Wattenscheider nahm zum Ende der Begegnung zwar wieder deutlich zu, aber wirklich zwingend wurden sie nur einmal. Der Ball landete bei einem Freistoß sogar in unserem Tor. Der Schiri pfiff diesen aber noch während des Fluges ab, da Tom aktiv angegangen wurde und die Wattenscheider Stürmer somit aktiv im Abseits standen. Zugegeben, dass hätte ich niemals so entschieden. Glück für uns. Pech für Wattenscheid. Respekt an den Schiri.

Also musste das Elfmeterschießen entscheiden. Die fünf Schützen waren schnell ausgewählt, weil die anderen sechs in Frage kommenden Spieler einfach nicht wollten. Aber die fünf Schützen Lenni, Luca C, Pascal, Timuel und Leander wussten anscheinend auf was sie sich einließen, denn alle verwandelten ihre Elfmeter weitestgehend sicher, während ein Wattenscheider unter dem Druck des Buchholzer Anhangs Nerven zeigte und den Ball über die Latte semmelte. Auch wenn der Sieg aufgrund des Spielverlaufes am Ende glücklich war, muss man die fünf Elfer auch erstmal verwandeln. Das ist schließlich auch eine Qualität, die dann auch entsprechend lautstark mit dem Buchholzer Mob gefeiert wurde. Danke für den Support und die Unterstützung. Ein einmaliges Erlebnis für alle. Die am Spielfeldrand auf ihr folgendes Spiel wartenden B-Jugendlichen des RW Lintorf fragten, ob sie den Anhang für ihr Spiel nicht auch "mieten" könnten ;)

 

Zur Belohnung holten die Jungs sich noch die von Margarita versprochene McDonald`s-Runde ab und fielen danach müde ins Bett. Am nächsten Morgen im Viertelfinale wartete erneut Beitar Jerusalem auf uns, dieses Mal aber die Zweitvertretung. Anhand der Vorrundenergebnisse war aber schon zu erahnen, dass diese Mannschaft vergleichbar stark wie die Erstvertretung aus unserer Gruppe war. Nur auf 2004er-Spieler verzichteten sie, was sich für uns zumindest gerechter anfühlte. Aber die Spielweise ähnelte den Vereinskollegen. Ball nach vorne knallen und dann pressen, jagen, treten und schubsen, Fehler provozieren und das Spiel des Gegners zerstören. Im Laufe des Spiels stellten wir uns immer besser auf diese Spielweise ein und nahmen in der Halbzeit auch formative Anpassung vor, indem wir das Zentrum mit allen bissigen Spielern verdichtete und eine überragende Kompaktheit schuffen, gegen die Beitar kaum Mittel fand. Erwähnenswert war dabei vor allem die Tatsache, dass Jerusalem uns als Leistungsverein zwar technisch und spielerisch überlegen war, auf diese Karte aber überhaupt nicht setze. Selbst als wir ihnen in der eigenen Hälfte meterweise Platz ließen, um den Spielaufbau flach zu eröffnen (und uns vielleicht mal rauszulocken), droschen sie die Bälle weiter planlos in die dicht besetzten Räume, wo wir meist Überzahl hatten und gut ins Doppeln oder Trippeln kamen. Mit der Zeit glaubten unsere Jungs immer mehr daran, hier die Null zu halten. Aber es sollte sogar noch besser kommen...

Einen unserer raren Umschaltmomente konnte Beitar nur durch ein Foul kurz vor dem Strafraum bremsen. Es war noch eine Minute zu spielen. Extra für den Freistoß (und ein etwaiges Elfmeterschießen) wechselten wir David ein. David knallte den Freistoß dann einfach mal ganz lässig unter die Latte - 1:0! Sieg! Unglaublich. Was ist denn hier los? Wir hatten zwar keine Chance, aber wir nutzen sie. Selten hat sich ein glücklicher Sieg so gerecht angefühlt - Halbfinale und ein Satz neue Trikotsätze, ebenfalls von Margarita. Überragend!

Im Halbfinale wartet der nächste Brocken, der spätere Turniersieger, die U13 des israelischen Meisters Hapoel Beer Sheva. Ähnlich wie ihre Landsleute aus Jerusalem hatten sie zwei 2004er mit einfliegen lassen, um ihre Siegchancen zu erhöhen. Aber selbst an der Richtigkeit des Jahrgangs 2004 gab es große Zweifel, da die Buchholzer C-Jugendlichen, die ja als Fans anwesend waren, im Kreuz deutlich schmaler gebaut waren als die "Maschinen" von Beer Sheva (siehe obiges Bild). Trotzdem schraubten die Buchholzer Stiere erstmal weiter an ihrer persönlichen Erfolgsgeschichte, spielten mutig drauf los und trafen beim Stand von 0:0 sogar den Innenpfosten. Danach machte Hapoel Beer Sheva aber ernst. Eine ihrer "Maschinen" nahm Geschwindigkeit auf und spazierte zweimal einfach durch unsere Abwehr. Zur Halbzeit stand es sogar 0:3, was aber nicht nur an den „Maschinen“ lag. Im Gegensatz zu Beitar Jerusalem versuchten die Jungs aus Beer Sheva auch Fussball zu spielen, was ihnen auch ziemlich gut gelang. Die "normal" gewachsenen 2005er-Jungs waren sehr spielstark und bewegten sich in Sachen Handlungsschnelligkeit, Technik und Spielintelligenz auf NLZ-Niveau, so dass sie die 2004er vermutlich gar nicht gebraucht hätten, um uns zu besiegen.

Trotzdem waren die 2004er die Türöffner und brachen bei uns früh im Spiel den Widerstand. Die Buchholzer Stiere spielten, nachdem das Spiel entschieden war, zwar weiter nach vorne, aber Lauf- und Kampfbereitschaft nahmen in der Rückwärtsbewegung deutlich ab. Uns gelang zwar noch der Ehrentreffer, aber wir ließen uns auch mehrfach auskontern. Am Ende hieß es 1:7. Die Höhe der Niederlage war aber dabei völlig zweitrangig. Die Jungs hatten in Sachen Mentalität, Willen und Einsatzbereitschaft in den letzten drei Tagen so oft am Limit und darüber hinaus gespielt. Jetzt waren die Kräfte auch mental aufgebracht und die Akkus leer. Der 4.Platz von 28 Teams bedeutete am Ende aber nicht nur, dass wir die bestplatzierte Mannschaft aus Deutschland waren, sondern auch, dass wir einige Mannschaften hinter uns ließen, die uns eigentlich überlegen waren. Aber diese Überlegenheit kompensierten die Jungs nicht nur durch die fantastische Unterstützung der Eltern und des Buchholzer Anhangs, sondern auch durch die Bereitschaft den Kampf in jeder Sekunde anzunehmen und alles für die Mannschaft und den Verein zu geben. Ein sehr wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung, wie ich finde. Barcelona 2018 war somit in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Gänsehaut, Stolz, Euphorie, Jubel und Dramatik im Überfluss. Danke an das Team. Danke an die Eltern. Danke an alle anderen Buchholzer. Danke an den Verein. Dieses Erlebnis werde auch ich mein Leben lang nicht vergessen.

 

Viktoria!  - Buchholz! - Danke! - Bitte!



10.03.2018 - 2:1 gegen FSV Duisburg

Wenn Gegentore zu Vorbildern für Siegtreffer werden


Das Rückspiel gegen den FSV Duisburg verlief leider nicht wie erwartet. Wie ließen uns auf eine Umschaltschlacht ein und mussten aufgrund von vier Spielern, die sich in Zweikämpfen mit dem holzendem Gegner verletzten, ständig umstellen. Auch unsere Formation passten wir in der letzten viertel Stunde an. Entschieden wurde das Spiel dann aber durch eine grandiose Einzelaktion von Hendrik, der schon den Ausgleich von Louis vorbereitet hatte, und somit zum Matchwinner avancierte.

Die Durchschlagskraft, die Hendrik in der 55.Minute an den Tag legte, ließen wir in der 1.Halbzeit leider vermissen. Es gab zwar einige Situationen, in denen wir durch Flachpassspiel nach vorne kamen, aber den Aktionen in der Spitze fehlte dann letzlich die Klarheit und Konsequenz. Die gefährlichste Aktion hatte wohl Luca C, der mit dem schwachen Fuss den Pfosten traf. Grundsätzlich konnten wir das hohe Anlaufen des FSV zu selten umspielen, obwohl die Räume eigentlich da waren und wir im Mittelfeld positionelle Überzahl hatten. Zu oft ließen wir uns von dem bissigen Stören des FSV zu hektischem Gebolze und vielen Zweikämpfen verleiten, in denen die Jungs sich zwar gut behaupteten, aber einfach nicht die Ruhe fanden, um ihre Qualitäten auszuspielen.

In Halbzeit 2 kam es dann noch dicker. Nach einem Zweikampf lag Moritz verletzt am Boden, wir spielten weiter und verloren den Ball dann aber an die Gastgeber. Diese konterten und bestraften unsere inkonsequente Zweikampfführung mit dem 0:1. Erinnerungen wurden in diesem Moment wach, da Tim an gleicher Stelle gegen den gleichen Gegner vor einem Jahr eine ähnliche Umschaltchance (nur in die andere Richtung) hatte, aber dann einfach fest gehalten wurde.           

Aber die Buchholzer Stiere wollten die Niederlage nicht hinnehmen, nahmen den Kampf an und fanden auch Lösungen um dem Jagen des FSV auszuweichen und in die gegnerische Hälfte zu gelangen. Entweder kombinierten und dribbelten sie sich durch die Mitte oder spielten Longline-Flugbälle in die freien Räume hinter die aufgerückten Außenverteidiger.

Das 1:1 durch Louis fiel dann auch nach einem schönen Spielzug, als man die sich bietenden Räume endlich mal mit dem richtigen Timing bespielte und Louis in gewohnt kaltschnäuziger Manier den Torwart mit einem Lupfball bezwang.
In den letzten Minuten stärkten wir Sturm und Abwehr und gaben dafür unsere Mittelfeldüberzahl auf. Diese zonale Unterzahl sollte sich aber nicht als Nachteil herausstellen. Im Gegenteil. Hinten wurden wir stabiler in der Absicherung, vorne präsenter in den Umschaltmomenten und im Mittelfeld gab es die entscheidenen Räume, die Hendrik für sein finales Siegerdribbling nutzte.

12 Tore hat der FSV dieses Saison in der Liga erst kassiert, vier davon gegen uns. Wir ließen zwar mehr FSV-Chancen als im Hinspiel zu, was aber wohl auch damit zusammenhing, dass der FSV in der Winterpause personell aufstockte. Schlussendlich hatten wir dieses Mal das Matchglück auf unserer Seite und gewannen - gemessen am Spielverlauf - etwas überraschend. Unseren bevorzugten Spielansatz bekamen wir leider zu selten durch und mussten uns eher an das Spiel der Hamborner anpassen. Aber man darf auch nicht vergessen, dass uns neben dem Rekonvaleszenzen Tim auch mehrere Spieler während des Spiel verletzt ausfielen und wir ständig zur Improvisation und Anpassung gezwungen waren. Rückblickend betrachtet ist der Sieg deswegen höher zu bewerten als es im ersten Moment den Anschein hatte...



24.02.2018 - 1:1 gegen Jahn Hiesfeld

Leben ist Scheitern...

...und der Kluge steht wieder auf und weiß ein bisschen mehr


Rückrundenstart gegen Jahn Hiesfeld. Unser Ascheplatz war nach dem stetigen Frost-Sonne-Wechsel der letzten Tage und dem Trainingsbetrieb in den "matschigen" Momenten eine einzige Buckelpiste und laut Angaben der Buchholzer Platzkommission im Vorfeld auch nicht abziehbar gewesen - nun ja. Mit dem schönen Fussball, den unsere Jungs in den letzten Wochen auf gegnerischen Kunstrasenplätzen gespielt hatten, war also nicht zu rechnen. Deswegen war uns klar, dass das die Attribute Zweikampfstärke, Leidenschaft und Mentalität umso wichtiger für den Ausgang des Spiels werden sollten. Zugegeben, das sind Diziplinen die nicht unbedingt zu den Stärken der 2005er Stiere zähl(t)en. Entsprechend würzig war die Ansprache und ich kann mit Stolz sagen, dass die Mannschaft verstanden hatte und von Anfang an brannte, sehr fokussiert war und sich einen tollen Kampf lieferte.

Trotz der schweren Platzverhältnisse versuchten beide Teams spielerische Lösungen zu finden. Die Hiesfelder hatten damit aber noch größere Probleme als wir. Eigentlich kamen sie über Flachpass kaum aus der eigenen Hälfte, was auch damit zusammenhing, dass unsere Jungs sehr gut organisiert und bissig anliefen. In dieser Diziplin konnten wir auch eine klare Steigerung gegenüber der Hinrunde feststellen. Problem war nur, dass wir aus den eroberten Bällen zu selten gefährlich vor`s Tor kamen. Eigentlich taugte das gute Pressing "nur" dazu, das Spiel in der gegnerischen Hälfte zu halten und den Gegner zu dominieren, aber wirkliche Torchancen aus den Balleroberungen ergaben sich selten. Hiesfeld stand hinten natürlich ziemlich stabil, trotzdem muss man sich im Nachheinein die Frage stellen, ob man die Bälle nicht lieber in anderen Zonen gewonnen hätte, um besser nutzbare Räume und Passwege in den Umschaltmomenten vorzufinden.

Aus dem eigenen Ballbesitz hatten wir leider leichte Probleme durchs Zentrum und durch die Halbräume zu kombinieren und zu dribbeln. Das hing vor allem damit zusammen, dass der Ball auf dem Boden machte, was er wollte und aufgrund dicht besetzter Räume kaum Zeit war, ihn angemessen zu kontrollieren. Der Spielaufbau aus der eigenen Hälfte wurde auch dadurch zum Vabanquespiel weil Hiesfeld zentral kompakt stand und auf Balleroberungen lauerte. Also ging es im Laufe des Spiels immer öfters die Flügel hoch. So kamen wir zwar mehrfach gut in die gegnerische Hälfte, aber es zeigte sich auch, wieso Flügelspiel in der allgemeinen Wahrnehmung überbewertet ist. Wenn, dann wurde es nur zufällig oder durch Einzelaktionen gefährlich. Nichtsdestrotz gehörte die erste Halbzeit klar den Buchholzern. Drei, vier gute Chancen auf unserer Seite, wohingegen Hiesfeld nur sporadische Annäherungen zu verzeichnen hatte.

In Halbzeit 2 änderte sich nicht viel. Spielzüge über drei oder vier Stationen waren eine Seltenheit. Wir dominierten und pressten und kämpften, aber es wurde nur selten gefährlich. Irgendwie drehte sich alles im Kreis und langsam wurde auch die Körpersprache der Jungs schwächer. Aber die Schlussphase hatte es dann doch noch mal in sich. Erst traf Lenni den Pfosten aus der Distanz und dann entstanden Chancen nachdem wir den Ball mal in tieferen Räumen gewannen, so dass wir mehr Platz hatten, Tempo aufzunehmen. Gerade Timuel konnte sich über rechts zwei-, dreimal in Schusspositionen bringen. Und in der 55.Minute war es dann soweit. Wie in der Kabine gesprochen, brachte er die Pille mit Präzision statt blinder Gewalt auf`s Tor. Der Ball ging ins lange Ecke und sprang vom Innenpfosten zur viel umjubelten Führung in die Maschen. Die Jubeltraube danach war einmalig und zeigte die Erleichterung und die abfallende Anspannung beim ganzen Team. Das war so ein Moment, der den Fussball so besonders und einzigartig macht.

 

Leider folgte der Nackenschlag und die emotionale Wende nur fünf Minuten später. Die Veilchen machten mit ihrer wohl einzigen Großchance den Ausgleich in der Nachspielzeit. Die Situation war deswegen so bitter, weil der Treffer durch einen Freistoß fiel, den 9 von 10 Schiedsrichter in unserer Liga vermutlich gar nicht gepfiffen hätten. Da der Schiedsrichter im ganzen Spiel aber schon sehr kleinlich gepfiffen hatte, war die Entscheidung keinesfalls überraschend, sondern entsprach halt seiner Linie. Der Ball ging dann passenderweise noch unter der Mauer durch und Tom war hinterher der Meinung, dass er den Schuss hätte halten können, wenn er ihn vorher gesehen hätte. Nichtsdestotrotz war der Ball hart und platziert geschossen und das ist schließlich auch eine Qualität.

 

Am Ende war allen die Enttäuschung anzusehen. Dabei haben die Jungs gemessen an den Platzverhältnissen ein sehr gutes Spiel gemacht, viel investiert, gut gepresst und den Gegner besser im Griff gehabt als im Hinspiel. Damals gab es einen Dreier, diesmal war es nur ein Unentschieden. So ist es halt manchmal im Fussball. Aber die Perspektive stimmt. Mit Buchholz ist weiter zu rechnen.



13.01.2018 & 14.01.2018 - 3:0 gegen VfB Homberg und 5.Platz in Sterkrade-Nord

Elferspielchen


Für das erste 2018er-Fussballspiel unter freiem Himmel erwartete uns direkt einen Hochkaräter. Die U13 des VfB Homberg, die die Leistungklasse im Kreis Moers in der Hinrunde gewann und sich damit für die Niederrheinrunde qualifizierte, lud uns auf ihre schöne Anlage rund um das PCC-Stadion ein. Dem Wunsch im 11 gegen 11 gegen uns zu spielen, konnten wir trotz einiger Ausfälle zu Beginn der Trainingswoche, nachkommen, weil sich für Samstag nur Moritz krank meldete.

Erfreulicherweise kamen unsere Jungs mit dem Großfeld sehr gut zurecht und waren die meiste Zeit spielbestimmend. Wir konnten das Spiel über viel Ballbesitz dominieren und uns damit dem Zugriff der Homberger entziehen. Lediglich in der Phase nach dem Pausentee hatten wir kleinere Probleme im Aufbauspiel als der VfB forscher und galliger rausrückte und näher an den Männern stand. 

Bei Ballbesitz Homberg konnten wir mit unserem kompakten Fünfermittelfeld die meisten Aufbauversuche der Gastgeber gut abfangen. Unsere Formation war angelehnt an die 1-2-Zentrumsstaffelung unserer ersten Leistungsklassen-Saison 16/17 und an die "hippen" Vorbilder aus der Bundesliga wie Nagelsmann oder Tedesco. Von diesen Vorbildern kam auch die Idee die traditionelle Rollenbesetzung auf der Acht und der Sechs zu tauschen, so dass wir die  "Acht" mit mehr Lauf- und Zweikampfstärke und die "Sechs" mit mehr strategischem Geschick besetzten. Das eine tat unserem Gegenpressing gut, das andere unserem Ballbesitzsspiel. Aber es wäre unfair, die gute Leistung nur an dem Mittelfeld festzumachen. Auch die restliche Mannschaft zeigte durch die Bank ein starkes Spiel und eine überraschend gute Frühform.

Die frühe Führung erzielte Timuel, indem er den Ball nach einem Steilpass am Torwart vorbei spitzelte. Leander konnte dann im drölften Nachschuss das 2:0 festmachen, ehe Louis mit einem schönen Treffer aus geschätzt 20 Meter auf 3:0 stellte. 

Mit gestärktem Selbstvertrauen ging es dann am Sonntag nach Sterkrade, wo der stets emsige Lars Dittner eine tolles Teilnehmerfeld für sein Vorbereitungsturnier, ebenfalls im 11 gegen 11, geladen hatte. Auf dem Kreis Rees/Bochholt kamen mit dem 1.FC Bocholt und dem VfL Rhede gleich zwei Teams. Der 1.FC gewann die Hinrunde der Leistungsklasse und spielt jetzt die Niederrheinrunde, die Rheder wurden in der Hinrunde Dritter und führen jetzt - genau wie wir - die Rückrundentabelle der Leistungsklasse an. Aus dem traditionell starken Westfalen gesellte sich noch der Bezirksligist TSV Marl-Hüls hinzu.

Im ersten Spiel ging es aber gegen die gewohnt agilen und bissigen Gastgeber. Das Spiel spielte sich erwartungsgsgemäß viel im Mittelfeld ab, weil beide Teams gut zum Ball verschoben und das Spielfeld klein hielten. In den ersten Minuten entsprang daraus noch viel Chaos, zum Ende konnten wir den Ballbesitz besser behaupten und zeigten strukturell und spielerisch gute Ansätze. Wirklich gefährlich in die Box kamen beide Mannschaften aber kaum. Über rechts gab es hüben und drüben einige Durchbrüche, die aber nicht zwingend aufs Tor gebracht wurden. Somit endete das Spiel gerechterweise 0:0.

 

Im zweiten Spiel gegen den 1.FC Bocholt liefen wir dagegen viel hinterher. Der 1.FC zeigte sich sehr ballsicher und schuf durch eine flexible Raumbesetzung immer wieder Anspielstationen. Wir bekamen selten Druck auf den Ball und ließen sowohl mannschaftlich als auch individuell zu viel Raum. Interessanterweise ergaben sich trotzdem drei gute Chancen durch Timuel und Luca C, alle jeweils aus Konter, Umschaltaktionen bzw. nach Fehlern im Aufbauspiel der Bocholter. Dass die Bocholter trotz ihres spieldominanten Ansatzes hinten durchaus anfällig waren, zeigte der weitere Turnierverlauf. Wir konnten daraus aber keinen Profit schlagen. Im Gegenteil bekamen wir noch das 0:1. Sehr schön heraus gespielt und vollendet, so dass der Sieg auch in Ordnung ging.

 

Im dritten Spiel gegen den VfL Rhede traten wir im 10 gegen 10 an, weil die Rheder nur mit elf Spielern angereist und aufgrund einer Verletzung im ersten Spiel dezimiert waren. Obwohl dadurch die Räume noch größer waren, konnten wir diese in den ersten Minuten überhaupt nicht nutzen. Im Gegenteil ließen wir uns hinten rein drängen, gaben den Ballbesitz zu schnell ab und spielten die Angriffe deswegen meist unvorbereitet und zu improvisiert. Das wurde zum Ende besser und die Chancen ergaben sich fast zwangsläufig. Auch wenn es aus mathematischer Sicht keine 100%igen Torchancen geben kann, war Timuel ganz nah dran, scheiterte aber aus zwei Meter an dem toll hechtendem Torwart nach starker Vorbereitung von Hendrik. Also wieder 0:0.

Im letzten Spiel gegen den späteren Turniersieger Marl-Hüls lief es in Sachen Ballbesitzspiel und - vermeindlicher - Spielkontrolle wieder besser. Wir konnten das Spiel absolut offen gestalten, kamen über links sogar einige Male gut bis zum Tor durch, verloren das Spiel aber trotzdem 0:2, weil Marl-Hüls unsere Fehler im Aufbauspiel konsequent zu nutzen wusste und dann auch entsprechend durchschlagskräftig aufs Tor brachte.

 

Diese Torgefahr ging uns an diesem Tag leider ab, so dass wir ohne Torerfolg blieben. Aber - und das habe ich den Jungs auch gesagt - man darf Spiele nicht nur anhand der Tore bewerten. Wir waren zwar kollektiv nicht so gut wie am Samstag, hatten gegen starke Gegner aber gute Phasen im Ballbesitz und auch einige Chancen. Interessanterweise waren diese beiden Aspekte fast gegensätzlich verteilt. Die Chancen ergaben sich in den Spielen, wo eher der Gegner das Spiel machte (Bocholt, Rhede) und aus unserem Ballbesitzvorteil gegen Sterkrade und Marl-Hüls konnten wir selten gefährlich werden bzw. bekamen sogar zwei Gegentore.

 

Das hing natürlich damit zusammen, dass die Räume und Wege (auch für die Gegner) im 11er-Feld noch neu waren und schnell umzuschalten dann einfacher ist als gegen einen organisierten Verbund anzuspielen. Dieses Phänomen ist aber selbst in der Bundesliga zu beobachten, wo sich 80% der Mannschaften auf gut stehen, pressen und umschalten fokussieren. Man könnte diese Taktik jetzt natürlich kopieren um maximal erfolgreich zu sein. Aber die Jungs sind noch in der Ausbildung und am meisten lernt man immer mit Ball am Fuss, weswegen wir auch weiterhin versuchen werden, möglichst viel Ballbesitz zu haben.

 

Um Ballbesitzspiel unter Wettkampfbedingungen zu trainieren bedarf es solch starker Gegner wie am Wochenende und deswegen möchte ich mich an dieser Stelle nochmal ausdrücklich bei Wolle von Homberg und natürlich Lars von Sterkrade-Nord für die Einladungen und die Organisation bedanken. Ohne euch wären wir nicht nur ohne Tore (am Sonntag), sondern auch ohne Ballkontakte geblieben. Und da bekanntlich jeder Ballkontakt zählt, kann das Fazit trotz des torlosen Sonntags nur positiv sein.